Innig mit Gott vertraut | World Challenge

Innig mit Gott vertraut

Gary WilkersonMay 21, 2018

Aus seiner Gegenwart kommen die Werke Jesu

Es gab eine Zeit, als der 
Name Vince Lombardi in jedem amerikanischen Haushalt bekannt war. In den 1960er Jahren war er durch seinen Erfolg als Trainer der National Football League eine kulturelle Ikone. Doch sein Coaching-Ansatz ließ sich auch auf viele andere Lebensbereiche anwenden, sodass die Menschen seinen Ansatz für sich nutzten. Alle nicht berufstätigen Mütter kannten Lombardis Sprüche, weil ihre Kinder im Grundschulalter ihn genauso oft zitierten, wie es weltweit angesehene Unternehmensleiter taten.

Als Lombardi seinen ersten Job als Cheftrainer bekam, waren seine Spieler von den Green Bay Packers schon eine erfahrene Mannschaft. Sie wussten, wie man eine Blitzaktion erkannte und was von einer 4-3-Verteidigung zu erwarten war. Als Lombardi zum ersten Mal mit dem Fußball in der Hand den Mannschaftsraum betrat, waren sie deshalb gespannt, welche besondere Weisheit er für sie hatte. Würde er den Schwerpunkt auf Angriff oder auf Verteidigung legen? Oder würde er eine ganz neue Strategie ins Spiel bringen?

„Meine Herren,“ begann Lombardi, wobei er einfach den Ball hochhielt, „dies ist ein Fußball.“ Es klang banal. Doch was Lombardi damit sagte, war: „Wir fangen mit den Grundlagen an. Denn wir alle müssen wissen, warum wir hier sind.“

Alle Christen, die dies lesen, müssen sich selbst fragen: „Weiß ich, warum ich hier bin?“ Das ist eine entscheidende Frage für jeden Menschen, der Jesus nachfolgt. Wir alle müssen uns diese Frage von Zeit zu Zeit stellen. Als Gemeindeleiter frage ich mich und mein Team manchmal: „Warum sind wir hier? Warum tun wir das, was wir tun? Was ist unsere Absicht?“

Die kurze Antwort, oberflächlich betrachtet, lautet, dass wir eine weltweite Organisation leiten, um den Leib Christi aufzubauen, die Verlorenen zu erreichen und uns liebevoll um die Bedürftigen zu kümmern. Wenn wir diese Dinge tun, müssen wir wissen, wie sie auszuführen sind – wir brauchen Pläne, Strategien und Systeme. Und die haben wir auch. Doch die eigentliche Antwort auf meine Kernfrage – „Warum sind wir hier?“ – ist für den jüngsten Nachfolger Christi dieselbe wie für den klügsten, welterfahrensten Leiter einer christlichen Organisation. Die Antwort lautet: „Wir sind hier, um Jesus zu dienen.“

In den letzten Jahrzehnten habe ich in der Gemeinde eine schlimme Entwicklung beobachtet. Es begann mit der Gemeindewachstumsbewegung, einem Phänomen, das zu der Vorstellung führte, dass unternehmerische Strategien das Reich Gottes voranbringen können. Wenn diese Bewegungen die „Lombardi-Frage“ beantworten sollten, warum sie da sind, würden sie einräumen: „Wir sind hier, um größer zu werden, uns auszubreiten, mehr einzubringen.“

Wenn Sie das für Ihren Sinn im Reich Gottes halten, haben Sie schon verloren. Verstehen Sie mich nicht falsch: Eine Gemeinde oder eine evangelistische Initiative wachsen zu lassen ist nichts Schlechtes. Und es wäre falsch zu behaupten, dass die Gemeindewachstumsbewegung nur schlecht gewesen wäre. Doch diese Bewegung hat die Energien der Gemeinde auf tragische Weise in eine andere Richtung gelenkt. Sie hat uns von der Quelle unseres Lebens – Jesus – abgelenkt und uns stattdessen auf selbstbestimmte Absichten und Pläne ausgerichtet.

Lassen Sie mich meine Antwort auf die „Lombardi-Frage“ wiederholen, die für alle Christen, Gemeinden und Evangelisationen gilt: Wir sind hier, um Jesus zu dienen. Und wir können unserem Heiland und Herrn unmöglich dienen, wenn wir nicht in seiner Gegenwart beginnen.

Kein Christ wird je fehlgeleitet, irregeführt oder vom Weg abgelenkt werden, wenn er oder 14sie in der Gegenwart Christi beginnt und sie nie verlässt.

Keine Gestalt der Bibel brauchte strategische Pläne mehr als König David. Er sah sich mit feindlichen Armeen konfrontiert, was mitten in einer Situation, in der es um Leben oder Tod ging, rasches und gezieltes Denken erforderte. Und er musste ein zwischen Israel und Juda geteiltes Reich regieren. Wie erfüllte David nun seine Bestimmung, Gott zu ehren und der angesehenste König Israels zu werden?

Es gelang ihm nicht durch strategisches Denken. David lebte im Sieg, weil sein Herz in jeder Situation darauf ausgerichtet war, dem Herrn zu dienen. Die Bibel lässt dies in seinen Taten klar erkennen, wie auch in all den innigen Anbetungspsalmen, die er schrieb. Dem Herrn zu dienen stand für David an erster Stelle, wenn er die Werke tat, die Gott für ihn bereitet hatte.

Samuel war als großer Prophet in Israel bekannt – aber nicht wegen seiner strategischen Beziehungen zu Königen und Leitern. Die Bibel macht klar, dass Samuel schon in sehr jungen Jahren ein Herz hatte, das dem Herrn diente. Selbst als Junge hielt Samuel sich ständig im Tempel auf und suchte Gottes Gegenwart – und mehr als alles andere war es diese Beziehung, die Samuel Einfluss im Volk einbrachte, vom einfachen Volk bis zu den höchsten Amtsträgern des Landes.

David und Samuel zeigen uns, dass wir die Werke Gottes nur tun können, wenn wir seine Gegenwart kennen. Und dasselbe gilt auch für jeden Christen heute: Dem Herrn zu folgen bedeutet, auf Jesus konzentriert zu sein, Jesus im Mittelpunkt zu haben und von Jesus bevollmächtigt zu sein. Die Bibel nennt Christus das Alpha und das Omega – den Anfang und das Ende aller Dinge – und das gilt auch für unser Leben. Er muss alles für uns sein.

Man sagt, dass es im Reich Gottes keine Arbeitsteilung gibt. Wir sind alle zum Dienst des Evangeliums berufen, ganz gleich, welchen Beruf oder welche Berufung wir haben. Ich bin einigen der ärmsten und bedürftigsten Menschen der Welt begegnet, und einige von ihnen sind mächtige Evangelisten für den Herrn. Sie alle haben eines mit dem inzwischen verstorbenen erstaunlichen Evangelisten Billy Graham gemeinsam: Wenn man ihnen begegnet, weiß man, dass sie Zeit in Gottes Gegenwart verbracht haben. Das macht den großen Unterschied aus, ganz gleich welcher Herkunft sie sind.

Selbst bei völlig hingegebenen Christen kann es leicht geschehen, dass sie von ihrer Bestimmung abdriften, Jesus zu dienen.

Vielen Gemeindeleitern fällt es wesentlich leichter, Pläne umzusetzen, als in der Gegenwart Jesu zu sitzen. Die neue „Normalität“ sieht vor, dass Gemeindeleiter ebenso Strategen wie Pastoren sind. Ich denke, manche Pastoren scheuen sich sogar vor einer innigen Begegnung mit Gott. Schließlich ist es viel einfacher, eigene Strategien zu verfolgen, als Christus im Zentrum zu behalten und sich in allem an ihn zu wenden.

Um es klar und deutlich zu sagen: Wenn ich davon spreche, in Gottes Gegenwart zu sein oder Anweisungen von ihm zu bekommen, spreche ich nicht von einer mystischen Offenbarung. Viele von uns haben falsche Vorstellungen davon, was es heißt, „in Gottes Gegenwart“ zu sein. Wir stellen es uns als ein Gefühl oder eine Emotion oder einen übernatürlichen Moment vor. Das alles kann zwar mit der Gegenwart Gottes verbunden sein, aber es macht sie nicht aus. Gottes Gegenwart ist einfach er selbst, sein Wesen. Wir brauchen keine besondere Form der Erfahrung, damit seine übernatürliche Gegenwart eine Realität in unserem Leben ist.

Durch den Heiligen Geist, der in uns bleibt, haben wir Gottes Gegenwart immer – und das ist etwas Unfassbares, wie Paulus schreibt: „Gott [wollte] zu erkennen geben, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen sei, und das ist: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kolosser 1,27; ELB).

In der Zeit des Alten Testaments offenbarte der Herr seine Gegenwart, indem er die Himmel aufriss oder sich durch eine Feuer- oder Wolkensäule manifestierte. Mit dem Kommen Jesu änderte sich die Art und Weise, wie wir Gottes Gegenwart erfahren. Durch Christus wurde uns sogar geschenkt, die Gegenwart Gottes zu sehen. Jesus offenbarte durch sein Leben, wie Gott wirklich ist – dass er voller Liebe, Gnade, Barmherzigkeit, Macht, Wahrheit und Gerechtigkeit ist. Der Sohn Gottes kam als genaues Abbild des himmlischen Vaters auf die Erde und zeigte uns sein göttliches Wesen.

Noch unfassbarer ist, dass wir durch den Heiligen Geist, der in uns lebt, Anteil an seiner göttlichen Natur haben. Eine Transformation geschieht, wenn wir Jesus annehmen: „Wenn wir Jesus immer besser kennen lernen, gibt seine göttliche Kraft uns alles, was wir brauchen, um ein Leben zu führen, über das sich Gott freut. Er hat uns durch seine Herrlichkeit und Güte berufen! Und durch dieselbe mächtige Kraft hat er uns seine kostbaren und größten Zusagen geschenkt. Er hat versprochen, dass ihr Anteil an seiner göttlichen Natur haben werdet, denn ihr seid dem Verderben dieser verführerischen Welt entflohen“ (2. Petrus 1,3-4).

Was bedeutet es nun also genau, Gottes Wesen in uns zu haben? Es bedeutet, dass wir nicht versuchen müssen, selbst heilig zu sein; wir sind heilig durch seine Gegenwart in uns. Wir müssen nicht versuchen, annehmbar zu sein; er hat uns annehmbar gemacht. Wir müssen nicht versuchen, gut zu sein; aufgrund seiner göttlichen Natur, die durch den Heiligen Geist in uns wohnt, sind wir gut.

Haben Sie sich je gefragt, wie es wäre, täglich völlig ohne jede Scham zu leben? Absolut frei von Schuld zu sein und keine Anklage zu fürchten? Wie würde diese Art von Freiheit sich auf Ihr Leben auswirken? Ich kann es Ihnen sagen: Sie würden ein Leben ohne Furcht führen. Sie könnten unbesorgt leben. Sie könnten alles tun, was immer der Herr Ihnen auftragen würde, ohne Hindernis oder Anklage.

Freunde, genau das ist das Leben, das Jesus für Sie erkauft hat. Und doch sind Sie wahrscheinlich noch nicht an diesem Punkt angekommen, oder? Die meisten von uns haben diesen Punkt noch nicht erreicht – aber wir haben die Möglichkeit dazu. Deshalb ermahnt Paulus uns, seinem eigenen Beispiel zu folgen: „Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus. Wie viele nun von uns vollkommen sind, die lasst uns so gesinnt sein. Und solltet ihr in einem Stück anders denken, so wird euch Gott auch das offenbaren“ (Philipper 3,13-15).

Auch wenn wir von 
Anklage und Verdammnis frei sein können, werden wir nie ganz frei von 
inneren Kämpfen sein.

Wie Paulus zeigt, liegt das einfach an der Art der geistlichen Welt, in der wir uns befinden: „Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut, sondern gegen die bösen Mächte und Gewalten der unsichtbaren Welt, gegen jene Mächte der Finsternis, die diese Welt beherrschen, und gegen die bösen Geister in der Himmelswelt“ (Epheser 6,12).

Indem wir Gottes Wort immer mehr in uns aufnehmen, werden seine Verheißungen schließlich in unserem Denken stärker als jede Botschaft, die der Feind sendet. Gottes autoritatives Wort bricht die Ketten der Furcht, des Zweifels und des Unglaubens, die uns hindern. „Denn es heißt: ‚Wer kann wissen, was der Herr denkt? Wer kann sein Ratgeber sein?‘ Wir aber denken im Sinne von Christus“ (1. Korinther 2,16).

Dies ist ein weiterer Aspekt der Gegenwart Gottes in uns: dass wir den Sinn Christi haben. Ganz gleich, welche mentalen Kämpfe wir erleben – unsere Haltung ist immer eine Siegeshaltung, weil wir in Gottes Gegenwart leben und handeln. Selbst an unseren schlimmsten Tagen werden wir durch das Leben und den Sinn Christi in uns aufrecht erhalten, aufgerichtet und mit Frieden erfüllt. Je mehr Zeit wir mit ihm verbringen, desto mehr bereitet er uns darauf vor, seine Werke zu tun: „Der Sohn Gottes kam, um die Taten des Teufels zu vernichten“ (1. Johannes 3,8).

Um die Werke Jesu zu tun, müssen wir ein Leben führen wie Jesus. Das mag nach einer Irrlehre klingen, doch Johannes lehrt: „Wer behauptet, dass er zu Gott gehört, soll leben, wie Christus es vorgelebt hat“ (1. Johannes 2,6). Wenn wir in unserem täglichen Leben nicht die Gegenwart Christi in uns tragen, haben wir einfach nicht das Recht, seine Werke zu tun. Warum nicht? Weil diese Werke aus seiner Gegenwart entspringen. Jesus sagte sogar von sich selbst: „Der Sohn kann nichts aus sich heraus tun. Er tut nur, was er den Vater tun sieht“ (Johannes 5,19).

Innige Vertrautheit mit ihm ist der Beginn unserer Vollmacht, auf der Erde seine Werke zu tun. Ohne diese innige Beziehung sind wir einfach nicht fähig, in diesen Werken voranzugehen. Ich bitte Sie inständig: Begegnen Sie Ihrem Erlöser im Gebet. Rufen Sie sich seine erstaunlichen Verheißungen in seinem Wort in Erinnerung. Er ist treu, Sie durch die Gegenwart des Heiligen Geistes, der in Ihnen wohnt, zu leiten. Machen Sie dies zu Ihrem ersten Schritt, um die Werke Jesu zu tun: Werden Sie innig mit ihm vertraut. Das ist ein Schritt, mit dem Sie heute beginnen können. Amen!

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